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LERN:RAUM:DESIGN #Im Dialog mit Elias Barrasch

In der aktuellen Ausgabe der Reihe LERN:RAUM:DESIGN – war ich im Gespräch mit Elias Barrasch. Er hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der HTW Berlin sowie Kommunikations- und Interfacedesign in Potsdam studiert. Darüber hinaus hat Elias als einer aus den ersten Jahrgängen an der School of Design Thinking am Hasso Plattner Institut in Potsdam die Zusatzqualifikation „Design Thinking“ erworben. Dort und an weiteren Hochschulen lehrt er diese Innovationsmethode.

Als Innovationsstratege und Berater beschäftigt er sich mit der Frage, wie sich Lernen und Arbeiten im digitalen Zeitalter verändern. Dabei begleitet er Organisationen aus Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft, um die Auswirkungen des Digitalen Wandels zu verstehen und sich dementsprechend zu positionieren.

In 2015 hat er das Education Innovation Lab gegründet und ist dort seither als Geschäftsführer tätig. Das Lab begleitet Organisationen bei der Entwicklung und Einführung neuer Lernformate und entwickelt digitale Lernumgebungen.

Ich habe Elias in 2014 auf einer Veranstaltung in Berlin kennengelernt, auf welcher wir uns lebhaft über designbasiertes Lernen unterhalten haben. Seitdem verfolge ich seine Aktivitäten über das Internet und freue mich sehr, dass er sich als erfahrender Design- und Innovationsstratege die Zeit für ein Interview genommen hat.

Bei unserem Treffen am 06.04.2017 im Education Innovation Lab habe ich die Gelegenheit genutzt, um Elias seine Sichtweise auf das Thema „Gestaltung von Lernräumen“ zu ergründen.

Im Folgenden werden die Kernaussagen aufgeführt:

1. Was zeichnet einen guten LERN:RAUM aus?

Lernen ist durch bestimmte „Modi“ geprägt, d.h. dass unterschiedliche Aktivitäten und Sozialformen des Lernens ausgeführt werden wie z.B. gezieltes Reflektieren, Konzentrieren, das Arbeiten in Gruppen, das Aufnehmen neuer Inhalte etc. Der Raum sollte insofern diese unterschiedlichen Lern-Modi unterstützen, von konzentrierter Stillarbeit bis zur Unterstützung sozialer Interaktionen. Die zentrale Frage sollte daher lauten, wie der Raum eine Vielzahl unterschiedlicher Lern-Modi unterstützen kann. Ein optimaler Raum zum Lernen könnte dann nach folgenden Kriterien ausgestaltet werden:

„Lehrende werden zu Facilitatoren bzw. Lernbegleitern, die Lernaufträge aussprechen. Wenn der Raum durch die Lernenden angeeignet werden kann, ändert dies zugleich die Zugänge zum Lernen. Die Lernenden fühlen sich geborgen, frei und sicher in ihrer „angeeigneten“ Umgebung.

Insofern ändert sich der Raum eigentlich permanent, je nachdem, welche Lernaktivitäten in dem Raum stattfinden. Der Raum wird im Laufe einer Tagesveranstaltung kontinuierlich verändert, auch von den Lernenden selbst.“

2. Wie könnte Dich ein INTELLIGENTER:RAUM beim Lernen bzw. Lehren unterstützen und was würdest Du Dir idealerweise wünschen?

3. Wie sieht der LERN:RAUM der Zukunft aus?

Der Raum an sich wird sich mehr und mehr auflösen, es werden eher Lernlandschaften in Organisationen entstehen. Offene Flächen, die unterschiedliche Lern-Modi unterstützen. Klassische Besprechungsräume werden zukünftig weniger gebraucht werden.

4. Welche Art von LERN:RAUM gefällt dir gar nicht?

Wenn die Räume zu glatt, zu sauber, zu high-end und zu „posh“ sind und mehr dem Prestige einer Organisation als den Menschen nützen. Solche Räume haben oft starre Aufteilungen an Gruppen-, Besprechungs- und Einzelplätzen. Sie lassen sich nicht verändern und bieten keinen Raum für Spontanität und eigene Ideen.

Solche Räume bewirken, dass sich Menschen unsicher fühlen und Angst haben, etwas kaputt oder schmutzig zu machen. Derartige Umgebungen werden nicht zum Experimentieren, zum Prototypen, zum Basteln und zum Wohlfühlen und Nachdenken genutzt. Perfekt designte und gestylte Räume fordern geradezu Perfektionismus von den Lernenden. Mit einem Anspruch auf Perfektionismus wird nichts Neues entwickelt, werden keine neuen Produkte innoviert, wird nichts ausprobiert oder getestet. Die Menschen haben in solchen Räumen Angst etwas Falsches zu sagen, es gibt keine Offenheit für neue Ideen, sondern eher die Befürchtung, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Denn wer möchte sich denn schon „in den heiligen Hallen zum Trottel“ machen?? Eine offene Fehlerkultur und der Mut zum Experimentieren wird eher in kreativen und nicht perfekt designten Räumen gefördert.

Mehr Werkstatt, weniger Boardroom.  

Wichtig ist, dass sich mit einem Handgriff, ein anderer Lern-Modi unterstützen lässt. Eine Grundstruktur des Raumes ist wichtig, allerdings darf auch eine gewisse Unordnung im Raum herrschen, damit er nicht zu perfekt wirkt. Viel Material inspiriert und lädt Menschen ein, sich den Raum anzueignen.

Wow, so viele anregende & konkrete Ideen, wie Räume Lernprozesse und unterschiedliche Lernsettings fördern können. Zum Glück habe ich nun öfters Gelegenheit zum Austausch mit Elias. Er koordiniert die Berliner Lerngruppe zum Corporate Learning MOOCathon #cl2025, in dessen Rahmen wöchentliche MeetUp´s stattfinden.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an Elias für das schöne Gespräch.

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