Learning Experience Design mit XR und KI

Learning Experience Design (LXD) ist eine Kunst. Und ein Handwerk. LXD hat enorme Auswirkungen darauf, ob Lernen gelingt oder nicht. Informationen alleine reichen nicht aus. Und obwohl einige KI-Fans proklamieren, dass wir als Menschen kein Fachwissen mehr benötigen werden, da die KI uns die komplette Welt erklärt, bin ich gegenteiliger Meinung.

Warum? Weil wir wissen müssen, über was wir reden und wie die KI unser Leben und unsere Arbeit verändern wird.

Ich bin davon überzeugt, dass fundiertes Fachwissen wichtiger ist als jeh zuvor. Und damit meine ich nicht die Zertifikate oder Abschlüsse, sondern Erfahrungswissen, das sich dadurch auszeichnet, dass ich in der Lage bin, die unerschöpfliche Menge an Informationen die es heute gibt, entsprechend einordnen und bewerten zu können.

Nur mit fundiertem Fachwissen kann ich KI sinnvoll nutzen, weil ich auf einen Blick erkenne, wo die KI halluziniert und wo nicht. Fachfremde sind hier hilflos ausgeliefert und überfordert zugleich. Ohne Vorwissen muss man ja glauben, was die KI einem erzählt. Es fehlt schlichtweg der Rahmen. Und selbst für Fachexpert*innen ist eine Validierung der KI-generierten Texte/ Behauptungen extrem zeitaufwändig.

Daher war ich auch immer der festen Überzeugung, dass der Beruf der Journalist*innen im KI-Zeitalter eher wichtiger werden wird und die KI diesen Job nicht so leicht ersetzen kann, obwohl das von vielen behauptet wurde, da KI gut klingende Artikel im Schnellverfahren produzieren kann. Aber genau das ist das Problem. Es geht nicht um Masse und Geschwindigkeit.

Es geht um Glaubwürdigkeit. Es geht um menschliche Authenzitität. Es geht um Qualität. Jedenfalls im hochwertigen Journalismus.

Und selbst da gibt es erste Pannen, vgl. Vorfall im ZDF mit einem KI-gefakten Video, das nicht entsprechend gekennzeichnet war. Mit solchen Fehlern werden wir zukünftig öfters rechnen müssen. Und auch mit dem Umgang mit menschlichen Fehlern im KI-Kontext. Was ich daran sehr gut finde, ist die Transparenz. Ein wunderbares Beispiel für Fehlerkultur und die beste Ausgangslage, um davon zu lernen. So kann die Redaktion (und viele andere) davon profitieren und Arbeitsbedingungen optimieren, in denen es mehr um Qualität und weniger um Quantität gehen sollte (was natürlich eine schwierige Aufgabe ist, wenn Schnelligkeit ein Wettbewerbsfaktor ist).

Trotz alledem bietet die KI auch Chancen. Meiner Meinung nach gibt es unglaubliche Potenziale im Bildungsbereich generell und speziell auch im Learning Experience Design.

Wirksam ist lernen vor allem dann, wenn nach der INSTRUKTION (Wissensvermittlung) Raum & Zeit für REFLEKTION und aktive KONSTRUKTION gegeben wird. Mehr Details zu effektivem Lernen habe ich in meinen Buch zu „Smart Learning Design“ im Haufe Verlag erläutert.

Wenn wir diese 3 Ebenen von Instruktion, Reflektion und Konstruktion genauer betrachten, stellen wir fest, dass wir mit LXD einen mächtigen Hebel haben, um alle 3 Ebenen zu optimieren und aus passiver Wissensvermittlung eine aktive Lernerfahrung gestalten zu können:

Wie aus einzelnen Wissens-Bausteinen eine wirksame Lernerfahrung oder eine komplette Learning Journey entwickelt werden kann zeigt o.a. Infografik. Jede einzelne Stufe bedeutet Aufwand & Ressourcen. Als Learning (Experience) Designer weiß man, wie viel Arbeit und Leidenschaft in jeder dieser 4 Stufen steckt.

Aufgrund von fehlenden Ressourcen bleiben meiner Erfahrung nach die meisten Lernangebote zwischen Stufe 2 und 3 stecken. Und genau hier kommt jetzt die KI ins Spiel. Denn mit ausreichend Fachwissen gelingt es, die nächsten Stufen leichter zu erklimmen, ohne dass wir „erneut so viele Ressourcen“ investieren müssen.

Sind die Kernbotschaften, erklärenden Texte sowie die multimedialen Inhalte erst einmal definiert, kann uns die KI unterschiedlichste Lern-Variationen „auf Knopfdruck“ generieren. Zumindest wenn man kein Perfektionist ist wie ich, ansonsten muss man Zeit fürs Feintuning einplanen. Dann bekommt man tolle LXD-Ergebnisse z.B. für

  • **Storytelling
  • **Infografik / Mindmap / Collage / Poster / Bild
  • **Podcast
  • **Video
  • **Chatbot als Lern-Coach
  • **Magic Moments

Was sind Magic Moments?

Magic Moments sind besonders wirksame Lernerfahrungen, da sie so intensiv erlebt werden, dass man sie nicht mehr vergessen kann. Ein großer Vorteil im Kontext Lernen! Ein Magic Moment wirkt so stark, dass die Lernerfahrung auch Jahre später noch abgerufen und erinnert werden kann.

Ein Magic Moment kann mit Hilfe von Technologien wie KI & XR produziert werden, muss es aber nicht. Für Magic Moments eignen sich vor allem Spiele in Gruppen, wie z.B. Escape/ Serious Games, da das gemeinsame Spiel und das gemeinsame Durchleben von Challenges viele Emotionen freisetzt. Ich habe vor einigen Jahren bei Bosch mein erstes Escape Game zum Thema „Smart Learning“ zusammen mit meinem damaligen Team entwickelt. Es diente nach einer 2-tägigen Präsenz-Masterclass am Bosch Campus dazu, all das neu erworbene Wissen im Team gemeinsam anzuwenden. Bezogen auf Lernwirksamkeit und die lehr-/ lerntheoretische Bezüge haben wir damit eine intensive Reflektion & Konstruktion ermöglicht. Also ein optimales, didaktisches Setting.

Und was soll ich sagen, die Menschen, die es spielen konnten, haben mich Jahre später noch darauf angesprochen. Das praktische daran: Escape Games können nicht nur analog in Präsenz, sondern auch wunderbar digital (via Websites) oder sogar virtuell (in 3D Spaces) erlebt und umgesetzt werden. Hier ein Einblick in 3D-Escape Games zur Teamentwicklung (XMAS), Fake News oder Chemistry Lab.

Kleiner Nachteil: Die Konzeption und Produktion von Serious Games, egal ob analog, digital oder virtuell ist mit einem enormen Aufwand verbunden. Bisher kenne ich auch keine KI, die gute Spielmechaniken oder gar ganze Games designen kann. Wer da anderer Meinung ist und bereits mehr Erfahrungen in KI-generierter Spieleentwicklung hat, gerne mal melden!! Meine These: Es wird nicht mehr lange dauern, bis die KI Serious Games zu jeglichem Thema „ausspuckt“. Aktuell kann man die KI zumindest als Sparringspartner in der Produktentwicklung nutzen, das ist ja auch schon sehr praktisch.

Eine weitere Möglichkeit für Magic Moments sind kurze, einpägsame XR-Sequenzen (XR ist die Abkürzung für Extended Reality, also erweiterte Realität), also virtuelle Objekte, die die Lernenden in ihrer analogen Umgebung einblenden und interaktiv erkunden können. Ein perfektes Beispiel dafür ist der Merge Cube mit der Merge Plattform, mit der bereits über 2000 solcher AR-Lerninhalte erkundet werden können.

Problem bisher:

Die über 2000 fertigen AR Lerninhalte von Astrologie über Biologie, Geschichte bis Chemie und Co sind für Schüler*innen konzipiert und die Plattform beinhaltet das amerikanische Curriculum (!!! btw: warum gibt es das nicht bei uns in Deutschland???). Jedenfalls sind die Inhalte nur bedingt auf das Corporate Learning übertragbar.

ABER: Seit kurzem gibt es hier dank KI völlig neue Möglichkeiten, um aus jedem beliebigen Inhalt relativ schnell und ohne großen Aufwand einen XR-Magic Moment zu generieren.

Eine 3D KI macht es möglich. Mit Meshy.ai experimentiere ich bereits seit vielen Monaten und seit kurzem habe ich festgestellt, dass die Text zu 3D (einfach Prompt eingeben, 3D Modell runterladen) oder auch die Bild zu 3D (Bild hochladen, 3D Modell runterladen) Funktion um ein VIELFACHES besser geworden ist.

DENN: Mittlerweile ist Nano Banana als Bild KI in Meshy AI integriert. Damit ist es möglich, wirklich auf Knopfdruck eigene 3D-Modelle zu generieren, die ich dann wiederum in eine XR-Plattform hochlade, geringfüg anpasse und per Link oder QR-Code teilen kann.

Mit der XR-Plattform Delightex kann ich dann „Templates“ anlegen und je nach Use Case Inhalte modifizieren und anpassen.

Wie wäre es, wenn wir die zentralen Kernbotschaften aus einem Vortrag in einen Magic Moment überführen könnten, den die Mitarbeitenden direkt mitnehmen oder auch mit Kolleg*innen teilen können?

Für ein Speaking auf einer Konferenz habe ich vor kurzem genau das getan. Titel der Keynote: „Lernkultur gestalten. Mit 4 Prinzipien sicher durch den Wandel navigieren“.

Ziel der Keynote war es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Lernkultur erlebar zu machen. Daher gab es zur Keynote auch noch einen Magic Moment, bei dem man die 4 Prinzipien einer zukunftorientierten Lernkultur explorieren konnte. Anbei ein Video aus der Development-Umgebung:

Geeignete L&D Use Cases

Magic Moments sind dann sinnvoll, wenn es nach der Wissensvermittlung um einen emotionalen und visuellen Anker geht.

  • **Wie gelingt es uns, Kernbotschaften, Vision-Statements oder ähnliches wirksam in der Arbeitsalltag zu transferieren?
  • **Wie gelingt es uns, mit LXD das Lernen aufs nächste Level zu heben?
  • **Wie können wir Storytelling, Game-Design und Creative ARt gezielt nutzen, um „Wow-Momente“ des Lernens zu erzeugen, die nachhaltig in Erinnerung bleiben?

Neue Technologien und XR-Magic Moments machen es möglich.

Was hat zum Beispiel ein Regenbogen-Zebra-Hase oder ein Einhorn-Meerjungfrauen-Schweinchen mit Lernkultur zu tun? Eine sehr komplexe Frage wird mit einem symbolischen Bild verknüpft, das die Reflektion zu einem besonderen Erlebnis macht, sofern es einem gelingt. das Storytelling von A-Z didaktisch gut zu gestalten.

DAS PRAKTISCHE: Wunderschöne, KI-generierte Fantasiewesen gibt es bereits. Wir können sie prompten (vgl. links) oder wir können sie als Inspirationen abrufen (vgl. rechts), so z.B. auf der Plattfom Pinterest, ohne extra Ressourcen aufbringen und verschwenden zu müssen.

Wir können viel kreativer arbeiten als jemals zuvor. Unser Alltag ist oft hektisch, eintönig grau & überfrachtet.

Wie wäre es, wenn wir uns Zeit nehmen, um unsere Kreativität frei zu lassen? Oder wenn wir diese (zum großen Teil KI-generierten) Inhalte nutzen, um Lernerfahrungen zu gestalten, die es bisher unmöglich waren?

Auf Pinterest habe ich meine „Best-Of-Sirkka-Collection“ angelgt, die ich per Knopfdruck in eine XR-Szene verwandeln kann. Endlich mal KI-Pics mit Stil….

Magic Moments eignen sich hervorragend für folgende Einsatzbereiche

  1. Als Zusammenfassung der Kernbotschaften aus einem Vortrag (entweder im Nachgang oder zum Mitnehmen)
  2. Zu Narrativen, Prinzipien, Werten, Mission- und Vision-Statements
  3. Als Energizer mit Filmklassikern wie „Zurück in die Zukunft“
  4. Als (ko-)kreatives Kunstwerk mit KI-generierten Fantasie-Wesen (Regenbogen-Zebra-Hase oder Einhorn-Meerjungfrauen-Schweinchen)
  5. Als Key-Learning-Reflection im Workshop mit Fabelwesen wie „The Last Unicorn“

Scanne den QR-Code mit deinem Smartphone. Genehmige den Zugriff auf deine Kamera. Platziere das Einhorn in deinem Zimmer und aktiviere den Ton. Drehe das Einhorn zu dir, ziehe es größer oder kleiner.

It´s magic, isn´t it?

Bei 80% aller Endgeräte funktioniert Web-basiertes AR OHNE Donwnload einer App, aber es gibt naturlich weit aus mehr Möglichkeiten. Fundierte Infos zu LXD und Smart Learning bekommst du hier.

Zusammenfassung:

Neue Technologien wie KI & XR sind heutzutage essenziell, um die Lernerfahrung aufs nächste Level zu heben. Und zwar ganzheitlich in allen Bereichen, von Mess-Instrumenten & (Future-) Skill-Taxonomien bis zur Content Creation & LXD:

  • **Storytelling
  • **Infografik / Mindmap / Collage / Poster / Bild
  • **Podcast
  • **Video
  • **Chatbot als Lern-Coach
  • **Magic Moments

Ausblick

In der nächsten Woche bin ich in Hamburg auf dem Corporate Learning Barcamp und teile meine Erfahrungen zu o.g. Themen. In meiner 1. Session zeige ich konkrete Beispiele, wie „Learning Experience Design“ aussehen kann, wenn wir Menschen begeistern & involvieren, statt nur zu belehren. Von Games über Storytelling bis hin zu Magic Moments, mit und ohne KI/XR.

Was bringe ich konkret mit??

Im Gepäck habe ich 4 unterschiedliche Magic Moments & Ideen für LXD gemäß dem diesjährigen Motto „Beyond Teaching“ für folgende Einsatzbereiche:

  1. Umfassendes Lernprogramm für Fachkräfte: SMART MOVERS
  2. Live-Online Training in Miro: Vom Board ins Homeoffice
  3. Selbststudium vor-/ nach einem Seminar: SOL im Metaverse
  4. Inhouse Konferenz / Bereichstagung / Teamworkshop: Von Powerpoint zum Magic Moment

Im Anschluss gibt es eine 2. Session mit einer Live-Demo zu Magic Moments. Ich zeige live vor Ort, wie wir heute kreative Welten erschließen können, die vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar (oder extrem aufwändig/ teuer) gewesen wären. Ich zeige meine Tools und Plattformen sowie die jeweiligen Vor- und Nachteile.

Wer LXD erleben und selbst aufs nächste Level heben möchte, dem empfehle ich die Smart Learning Facilitator Ausbildung. Der nächste Kurs startet im April. Danach kannst du Learning Experinces auf ganz neuem Niveau designen, z.B. mit meinem Mystic Miracle Template inkl. integriertem AI-Bot.

Und das ist erst der Anfang.

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