Experiment: female leadership

So gravierend, tragisch und herausfordernd die aktuelle Corona Situation auf der ganzen Welt auch ist, so bietet sie doch auch Chancen. Insbesondere für die persönliche Weiterentwicklung. Aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation befinden sich Millionen von Menschen in Kurzarbeit. Laut Berechnungen des ifo-Instituts sind es sogar rund 7,3 Millionen in Deutschland. So auch ich. Also endlich mal wieder Zeit, um aus dem Hamsterrad auszusteigen und sich auf Dinge zu fokussieren, die man sich schon immer vorgenommen hat.

Zu Beginn habe ich vor allem die Ruhe auf der Terrasse sowie das entspannte Lesen von Büchern genossen. Oder um es in einem meiner Lieblingszitate von Astrid Lindgren zusammenzufassen:

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Ruhe finden, Ruhe genießen und einfach mal nichts tun. Weder am PC, noch am Handy noch Literatur oder Magazine lesen fällt mir persönlich am schwersten, obwohl es meiner Meiung nach so wichtig ist.

Neben den vielen Projekten und Ideen, die man sowieso schon lange mal anschieben wollte (z.B. Publikation der Dissertation) habe ich dann eine tolle Empfehlung von einer Freundin (Danke liebe Andrea) via LinkedIn erhalten. Es ging um einen 2-tägigen, digitalen Workshop zum Thema „female leadership“, genauer gesagt um ein Experiment dazu. Das war auch gut so, dass es als „Experiment“ angepriesen wurde, da ich grundsätzlich der Meinung bin, es gibt weder männliche noch weibliche Führung, dafür aber „GUTE FÜHRUNG“ – Da ich vor kurzem erst im Rahmen einer anderen Publikation zur Zukunft der Arbeit auch Aspekte von Führung recherchiert und aufgearbeitet hatte, kam die Empfehlung zu female leadership natürlich im richtigen Moment. Die Recherchen führten mich u.a. zum Institut für Führung und Personalmanagement und zu Studien des Autorenteams rund um Frau Prof. Dr. Heike Bruch, die meiner Meinung nach spannende Erkenntnisse publiziert haben. Anbei eine Auswahl meiner Empfehlungen:

1. TOP JOP Trendstudie (2018): Leadership_der_Zukunft – Zwischen Inspiration und Empowerment

2. TOP JOP Trendstudie (2017): HRM 4.0 – Personalarbeit der Zukunft

Doch was genau verbirgt sich nun hinter „female leadership“? Ziel des Workshops war es, diese Frage gemeinsam mit ca. 25 anderen Frauen zu beantworten. Eine umfangreiche Zusammenfassung zum Inhalt sowie dem methodischen Ablauf gibt es hier auf LinkedIn von Lena Schiller, einer der initialen Kräfte des Workshops. Insofern möchte ich nicht alles im Detail beschreiben, sondern eher meine Lessons Learned zusammenfassen.

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Kompetente, wertschätzende und inspirierende Moderation sind elementar in jedem Workshop, egal ob digital oder als Präsenzformat. Dazu gehört auch eine gute Vorbereitung, die in digitalen „Räumen“ unter Umständen noch mehr Zeit im Vorfeld benötigt. Insofern möchte ich hier nochmals dem gesamten Organisationsteam danken für all die wunderbaren Momente im Workshop, die professionelle Begleitung und das gelungene Facilitaten. Dankeschön geht an:

Lena Schiller, Angela Haas und Fabian Urban

Team Lena Schiller Angela Haas Fabian Urban

Lena Schiller ist Unternehmerin, Buchautorin und Dozentin, war zuletzt an der Business School der Universität Frankfurt „Head of Digital Transformation“ und entwickelte dort u.a. das Female Leadership Programm. Sie gründete das betahaus Hamburg und schrieb „New Business Order“ (Hanser, 2014). https://www.linkedin.com/in/lenaschiller/

Angela Haas
ist professionelle Erfinderin bei Creaholic – in der Schweiz. Sie ist Expertin für creative leadership, human-centered design, facilitation und kreative Prozesse & Systeme und einmalig darin, Gruppenintelligenz sichtbar zu machen. https://www.linkedin.com/in/angela-haas/

Dr. Fabian Urban
ist Experte für Führung und Potentialentfaltung bei Leistungsträgern. Er promovierte zum Thema „Führung und Emotionen“, leitete viele Jahre den Bereich Executive Education bei der Deutschen Bank und der Goethe Business School und ist aktiver Ironman-Triathlet. https://www.linkedin.com/in/dr-fabian-urban-71315a17b/

[2]

Der Workshop wurde komplett via MS Teams in Kombination mit Mural abgebildet. Besonders gut gefallen hat mir die selbstorganisierte Einarbeitung ins Thema. Zum einen gab es ein Selbststudium sowie eine Mural Wand mit allen Teilnehmerinnen des Workshops, wo sich bereits im Vorfeld jeder „verewigen“ konnte.

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Das Selbststudium beinhaltete eine hochwertig kuratierte Sammlung aus Texten, Videos sowie Übungen zur Selbstreflektion. Die Lernreise begann bereits ca. 1 Woche vor dem offiziellen Kick-Off und beinhaltete:

75min Video gucken
90 min Texte lesen
60 min Reflektieren

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Unterschiedliche digitale Räume in MS Teams wurden im Vorfeld „eingerichtet“, auch ein piefiges Wohnzimmer, wo man sich zum Workshop getroffen hat. Mehr dazu auch auf LinkedIn1 und LinkedIn2.

[3]

Besonders positiv in Erinnerung habe ich die Working Agreement, die Angela als professionelle Erfinderin in einem mega fluffigen Setting vorgestellt hat:

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Im Zentrum bewusst gewählt das Motto:

take fun seriously

Dass dies keine Floskel war, hat man kontinuierlich an der Moderation und der kompletten Facilitation gespürt.

[4]

Die digitale Zusammenarbeit hat (nicht nur wegen FUN) wunderbar funktioniert. Die bis dato unbekannten Frauen haben sich in kürzester Zeit (zielgerichtet) untereinander kennengelernt und vernetzt. Dabei war eine große Diversität an Alter und beruflichen Karrierewegen vorhanden, so dass man viel voneinander lernen konnte. Also nicht die typische „Blase“ von Menschen, die alle einen ähnlichen Backround haben.

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Der große Vorteil an MS Teams war zudem, dass private oder öffentliche Diskussionen zum Selbststudium oder anderen Themen gestartet werden konnten. Durch die mobile Version im Smartphone hatte man zudem alles in der Hosentasche und musste nicht unbedingt am PC sitzen. Auf diese Weise gelang es, sehr fruchtbare und wertvolle Phasen der Zusammenarbeit, des Reflektierens und Austauschens zu erzeugen. Ein wichtiger Aspekt waren die vielen vorbereiteten Übungen und Templates in Mural.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zum schnellen Kennenlernen hat sich die „PowerOfConnecting“ Übung angeboten, die wir im Rahmen der 2 Tage mehrmals mit unterschiedlichen Personen durchlaufen durften. Diese Übung hat mir persönlich am Besten gefallen, da ich durch die Vielfalt der anderen Frauen und deren Perspektiven am meisten gelernt bzw. für mich mitnehmen konnte.

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Lernen durch Reflektieren und persönlichen Austausch ist meiner Meinung nach oft effektiver als einseitige Wissensvermittlung, die weder an Vorerfahrungen noch an persönliche Reflektion anknüpfen kann. Insofern fand ich diese Übung mega gut.

Was ich schade fand, war das strenge Timeboxing mit 90, 45 und 15 Sekunden im jeweiligen Wechsel. Vor allem am Anfang war man mehr mit dem Timer am Handy beschäftig, als sich auf das Thema zu fokussieren. Da hätte man einfach mal ganz easy 10 Minuten draus machen können, aber vielleicht ging es nur mir so.

[5]

Spannende Impulse sind natürlich in Ergänzung zu Übungen und interaktiven Ausarbeitungen via Mural auch wichtig. Neben mehreren Inputs hat mir der Impuls von Prof. Heather Hofmeister besonders gut gefallen, die eine umfangreiche soziologische Perspektive auf das Thema female leadership richtete.

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Details dazu auch via LinkedIn3 und LinkedIn4.

Eine fachliche Auseinandersetzung hinsichtlich der Gelingensbedingungen von Führung und den eigenen Grenzen wurden im Impuls von Dr. Fabian Urban erörtert, ein Blick in meinen Thread auf Twitter inkl. kognitiver Aspekte lohnt sich.

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Eine gelungene Synthese aller Erkenntnisse am Ende ist wichtig. Die Synthese wurde etwas provozierend über die Erarbeitung typisch wiblicher und männlicher „Eigenschaften“ eingeleitet. Darüber hinaus sollten wir uns Gedanken zu weiblichen Vorbildern machen.

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In Kleingruppen wurde zum Ende dann heftig diskutiert, reflektiert, dokumentiert und die einzelnen Gedanken und Erkenntnisse geclustert. Auch hier war das Mural eine (nahezu) perfekte Arbeits- und Visualisierungsgrundlage.

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Mit dem Gesamtergebnis, also der Antwort, was female leadership eigentlich ist, bin ich persönlich sehr zufrieden, zumal wahrscheinlich jede Teilnehmerin eine Art persönliche Antwort für sich gefunden hat, je nachdem mit welcher Zielstellung man eben in den Workshop gegangen ist.

An dieser Stelle möchte ich abschließend allen wunderbaren Frauen danken, die mich auf diesem Weg begleitet und die mich zum Nachdenken, Lernen und gemeinsamen wachsen inspiriert haben.

Es war eine wunderbare Erfahrung, auch mal wieder als Lernende einen Workshop durchlaufen zu dürfen. Besonders dankbar bin ich auf die Nachhaltigkeit der Community, die mittlerweile einen eigenen Platz auf LinkedIn in der female leadership community erhalten hat.

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[7]

Was könnte man beim nächsten Mal anders machen? Das ist nicht ganz leicht zu beantworten, da es annähernd perfekt war. Ein paar Punkte sind mir jedoch in Erinnerung geblieben:

  • Was für mich persönlich etwas zu kurz kam waren die Pausen. Wenn man 2 Tage von 9-16 Uhr am PC sitzt, wird man doch schnell müde oder muss sich mal etwas zu trinken holen etc. Bei digitalen Angeboten sind mehrere kleine Pausen sinnvoll. Oder man entscheidet sich für ein etwas entzerrtes Konzept mit täglich 2-3h synchron und dazwischen Selbststudium, Übungen, Reflektion, Aufgaben etc.
  • Die interaktiven Ideation Sessions mit Mural haben stellenweise aufgrund der technischen Hürden nicht immer funktioniert, da wohl zu viele gleichzeitig online waren. Eine gute Alternative kenne ich leider nicht, aber:
  • Mehr tiefere Diskussionen als Übungen auf Mural, wären stellenweise eine gute Ergänzung gewesen. So hätte man die Vielfalt der Teilnehmerinnen besser einbinden und die persönlichen Erfahrungen besser teilen können
  • Tiefgehende Gespräche im Tandem hätten auch mal telefonisch durchgeführt werden können. Das ganztägige Sitzen macht mich immer sehr müde und führt zu keinem guten Körpergefühl. Ich hätte mir einen kleinen „Walk um den Block“ oder ähnliches gewünscht. Am besten zum Nachdenken, Reflektieren, also angeleitet mit einer Leitfrage oder auch in einem Telefonat. Bewegung und Laufen sind meiner Meinung nach wichtig für das Lernen und den Körper. Insofern wäre es im Sinne einer didaktischen Vielfalt schön gewesen, den Körper etwas stärker einzubinden
  • Was mir wirklich wirklich wirklich sehr gefehlt hat war eine Art Workbook. Ich habe mir sooo viele Notizen auf Post its gemacht, die ich mittlerweile alle entsorgt habe, was ich sehr schade finde. Im Rahmen unserer Workshops, egal ob remote oder F2F bereiten wir umfangreiche Materialien als Workbook mit Hinweisen, Quellen, Tool Tipps und Platz für eigene Notizen vor, so dass man quasi alles an einem physischen Ort hat. Das MS Teams wird ja auch demnächst wieder deaktiviert als digitaler Lernort. Insofern würde mir hier eine hybride Version der Dokumentation gefallen. Am besten noch augmentiert natürlich 😉

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