FUTURES LITERACY LABORATORY – Metaverse des Lernens im Jahr 2040

Neue Technologien verändern kontinuierlich unsere Welt. Wie werden wir 2040 im Metaverse lernen?

Mit diesen und weiteren Fragen hat sich die Smart Learning Community Ende Juni 2022 intensiv beschäftigt. Am 23. und 24. Juni 2022 fanden zwei Zukünfte-Labore zum “Metaverse des Lernens” statt. Professionell begleitet wurden die Futures Literacy Laboratories von Martina Oettl und Stefan Bergheim. Beide Workshops hatten die gleiche Zielstellung und Struktur. Für einen Workshop waren wir jedoch zu vielen Pirat:innen, von daher gab es zwei Workshoptermine.

Warum beschäftigen wir uns mit der Zukunft des Lernens?

Durch die technischen Entwicklungen der letzten Jahre, befindet sich das Thema “Lernen” im Umbruch. Die Nutzung neuer Technologien erfordert andere Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten von den Menschen, unabhängig von Lebensstatus oder Profession. Zudem ergeben sich durch die Nutzung moderner Technologien neue Möglichkeiten für das Lernen – allein, miteinander und auch voneinander. In aller Munde sind in diesem Zusammenhang, in der EdTech-Szene, die Entwicklungen zum Metaverse des Lernens bzw. zum Metaverse for Learning. Daher fokussiert sich die Smart Learning Community in diesem Jahr ganz speziell auf dieses Thema und nutzt die Chance, beim Futures Literacy Laboratory weiterzudenken und Perspektiven für die Zukunft des Lernens zu entwickeln.

Was ist eigentlich Futures Literacy (FL)?

FL is a capability. It is the skill that allows people to better understand the role that the future plays in what they see and do. People can become more skilled at ‘using-the-future’, more ‘futures literate’, because of two facts. One is that the future does not yet exist, it can only be imagined. Two is that humans have the ability to imagine. As a result, humans are able to learn to imagine the future for different reasons and in different ways. Thereby becoming more ‘futures literate’. (Futures Literacy (unesco.org)

Futures Literacy ist demnach die Fähigkeit der Menschen ihre (aktive) Rolle hinsichtlich der Gestaltung der Zukunft zu erkennen und zu verstehen. Somit bezeichnet Zukunft unsere heutigen Bilder von verschiedenen Zukünften. Diese können wir als Zielbilder formulieren und so die Zukunft – heute schon – mit-gestalten.

Die Zukunft kann nicht vorhergesagt werden. Wir können aber mit strategisch implementierten Methoden der Zukunftsforschung ein Gespür für die Zukunft entwickeln und darauf aufbauend zu Gestaltern wünschenswerter Zukünfte werden.

Das Das Zukunftsbauer Institut spricht in diesem Zusammenhang von einem offenen Imaginationsraum, der mit Neugier erkundet und aktiv gestaltet werden kann. Was heute noch unwirklich scheint, kann morgen bereits Realität sein. Dazu gibt es auch weiterführende Informationen in einem Whitepaper zum Download auf folgender Website.

Wie sind wir konkret vorgegangen und was haben wir erforscht?

Häufig denken wir in bestimmten Rahmen – „In the Box“ – die unsere Vorstellungskraft einschränken, denn unsere Bilder von heute bestimmen unsere Handlungen in der Zukunft. Um imstande zu sein, Neues zu sehen, haben wir bewusst durch verschiedene Rahmen – „Out of the Box“ – geschaut.

Nach einer kurzen Begrüßungsrunde ging es schon los und wir haben uns durch die vier Phase des Futures Literacy Laboratoy leiten lassen. Vielen Dank an dieser Stelle an die professionelle Begleitung durch von Martina Oettl und Stefan Bergheim. Das folgende Schaubild hat es uns ermöglicht nachzuvollziehen, wie der Futures Literacy Prozess funktioniert und wo wir stehen.

🔍 Phase 1:Wir haben zunächst wahrscheinliche Zukünfte des Metaverse des Lernens im Jahr 2040 aufgeschrieben und bildlich abgebildet. Anschließend haben wir uns eine wünschenswerte Zukunft durch eine individuelle Gedankenreise vorgestellt und uns von unseren Bildern zum Metaverse des Lernens berichtet. In Einzel- sowie Gruppenarbeit entwickelten wir somit Zukunftsbilder, die unsere Erwartungen und Annahmen (noch nicht bewiesene Aussagen) an die Zukunft widerspiegelten.

💭 Alle unsere Gedankenfetzen, Bilder und Ideen sammelten wir auf einem digitalen White-Board, welche allen Teilnehmenden im Anschluss zur Verfügung gestellt wurde.

📝 Phase 2: Durch das gemeinsame Schreiben eines „Science Fiction Romans“ zum Metaverse4Learning (M4L) 2040 konnten wir dann in einem aufbauenden Schritt unseren Visionen freien Lauf lassen. Wir haben Zukünfte entworfen und wiederum Zukünfte anderer Gruppen weitergedacht. Hierbei ging es u.a. um einfachen Zugriff auf das gesamte Wissen der Welt, Cyborgs, die einen ein Leben lang begleiten oder um die Repräsentation von Menschen wie Gandhi oder Leonardo da Vinci, uns in physichen wie auch virtuellen Lernwelten von Ihren Erfahrungen, Visionen und Ideen berichten.

🚀 Phasen 3 und 4: Neben wahrscheinlichen, wünschenswerten und alternativen Zukünften ging es anschließend darum, aus den wunderbar kreativen Ideen Orientierungsprinzipien für die Zukunft des Lernens zu entwickeln. Jede Gruppe konnte sich auf jeweils 11 vorläufige Guiding Principles zum Umgang mit dem Metaverse des Lernens in der Gegenwart einigen. Sie reichten von Aussagen über den Zugang, die Struktur und technische Aspekte, wie gesetzliche Regelungen und Datensouveränität, bis hin zu Formulierungen über die Art des gemeinsamen und auch individuellen Lernens.

Woran können wir uns beim Metaverse des Lernens zukünftig orientieren?

Die Smart Learning Community wird sich in den folgenden Barcamp-Events im September und auch Dezember vertieft mit den Ergebnissen aus den beiden Futures Literacy Laboratories auseinandersetzen. Hierfür haben wir die, von den zwei Gruppen, entwickelten Orientierungsprinzipien zusammengefasst. Diese 10 (entworfenen) Orientierungsprinzipien wollen wir in den kommenden Monaten reflektieren und weiterentwickeln.

Guiding Principles fürs Metaverse des Lernens:

  1. Datensouveränität liegt bei den Nutzern & Gesetzliche Regeln für die Plattformen müssen standardisiert werden
  2. Diversität der Lernenden durch Respekt, Toleranz und Chancengleichheit sicherstellen
  3. Ethisch bewusster Verhaltenskodex anwenden
  4. Intrinsische Motivation und Prinzip der Freiwilligkeit des Lernens sicherstellen
  5. Kollektiv und ko-kreativ zusammenwirken und iterativ wissenschaftlich fundiert mit anderen privat und im Beruf lernen
  6. Lernen ist omnipräsent, individuell und mit allen Sinnen erlebbar und ermöglicht es zu experimentieren, reflektieren und durch Neugier gemeinsam zu wachsen
  7. Manipulation vermeiden durch dezentrale transparente Struktur mit Filtern zur Qualitätssicherung
  8. Metaverse-Life-Balance schaffen – Durchlässigkeit von analogen, virtuellen und hybriden Räumen möglichst naturnah, um Rückzugsorte zu schaffen
  9. Nachhaltige globale Vernetzung räumlich, gedanklich und multi-zeitlich möglich machen, um von anderen Menschen über Ereignisse in Vergangenheit, Gegenwart & Zukunft lernen zu können
  10. Teilhabe, Mitbestimmung sowie freier und transparenten Zugang für alle im M4L

Die Ergebnisse der beiden Workshops können im Detail in der folgenden Grafik eingesehen werden:

Was nehmen wir mit: Unsere Lernerfahrungen und Gedanken

Das Futures Laboratory hat gezeigt, dass ein Diskurs zu dem Thema extrem viel Spaß und neugierig auf die Zukunft macht. Es hat aber auch viele Risiken transparent gemacht, die genauer analysiert und bearbeitet werden müssen. Das bedeutet, dass die Fähigkeit zu Futures Literacy einen enormen Stellenwert einnimmt, wenn wir verantwortungsbewusst, auf Basis partizipativer, ko-kreativer Methoden wünschenswerte Zukünfte aktiv gestalten möchten.

Indem wir unsere Visionen und Erwartungen an eine Zukunft des Lernens in Bilder und im Austausch untereinander auch in Worte gefasst haben, brachte die Beschäftigung mit diesen Zukunftsthemen ganz neue Gedanken hervor. So zum Beispiel, dass Menschen gerne von Menschen lernen, die wichtige Errungenschaften in unserer Welt hervorgebracht haben, auch wenn diese bereits verstorben sind. Also warum nicht direkt von Albert Einstein oder Leonardo da Vinci lernen? Sich neben ihnen auf eine Parkbank im Metaverse setzen und ihren Ideen lauschen. Oder sich mit Personen aus einer anderen Kultur, auf einem anderen Kontinet in Echtzeit auf einer virtuellen Berghütte treffen und über die Welt philosophieren? Das ist alles bereits heute möglich im Metaverse. Ich kann mir bereits heute die Zeitzeugen ins Wohnzimmer augmentieren und mir ihre Geschichte erzählen lassen.

Spannend war auch, dass wir nicht nur gerne von und mit Menschen lernen, sondern auch gerne naturnahe Welten in Bilder gefasst haben, was in unsererem Miro Board sichtbar wurde:

Immersive Technologien sind dazu geeignet, die Lernwirksamkeit zu erhöhen. Gleichzeitig gibt es viele Herausforderungen, die Lösungen brauchen, wie z.B. gesetzliche Regelungen zum Umgang mit datenschutzrechtlichen Themen; Gedanken zur „Metaverse – Life Balance“; Diversität und ein ethisch „korrektes Handeln“ im Metaverse (…).

Was mich persönlich nachhaltig beeindruckt hat, war die grenzenlose Freiheit im Denken und Experimentieren innerhalb des Laboratories. Der Workshop folgte dabei einem sehr systematischen Ablauf, indem wir unseren „Imaginationsraum“ bewusst und schrittweise verändert haben. Angefangen bei wahrscheinlichen Zukünften, über wünschenswerte Zukünfte bis hin zu alternativen Zukünften und unseren eigenen Handlungsoptionen.

Für die großartige Umsetzung und Begleitung möchte ich Martina Oettl und Stefan Bergheim ganz herzlich danken. Das war eine tolle Erfahrung!! Das insgesamt 5-stündige Online-Zukünfte-Labor war kurzweilig und extrem bereichernd. Es hat so viel Spaß gemacht, super kreativ und total offen in die Zukunft zu blicken, die Perspektiven zu wechseln und alles noch mit anderen Pirat:innen zu teilen und weiterzuentwickeln. Was in dieser kurzen Zeit alles an Kreativität frei gesetzt wurde, ist unglaublich.

Die Faszination zum Thema Metaverse des Lernens sowie zur Methodik Futures Literacy Laboratory wurde auch von sehr vielen Pirat:innen nach dem Workshop geteilt, die ich hier gerne verlinke, da so noch mehr Perspektiven sichtbar werden.

  1. Martina
  2. Maria
  3. Mareike
  4. Leonie
  5. Corinna
  6. Simon
  7. Svenja

Weitere Empfehlungen für einen Deep Dive zum Thema:

Dieser Blogpost wurde unter Mitwirkung von Julia Bansen und Svenja Hallerberg erstellt, die als Mitwirkende im Co-Creation Kernteam diese Zusammenfassung mit verfasst haben. Vielen Dank für die Unterstützung. Dieser Dank geht auch an Leonie Barenbrock, die die Grafiken aufgesetzt hat.

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